15. Die Berliner Republik auf der Suche nach nationaler Identität im Zeichen der neu-stabilisierten deutschen Volksgemeinschaft

A.

Auf der Grundlage der Instrumentalisierung der Shoah als Schutzschild der Menschenrechts-Wächter-Nation hat die Berliner Republik den „Kampf“ gegen den Antisemitismus wie auch den “gewaltfreien“ Antifaschismus um die Jahrtausendwende als integralen Bestandteil der Staatsraison monopolartig verstaatlicht. Was selbstverständlich nichts daran ändern konnte, dass der Antisemitismus ohne Juden in Deutschland manifest wurde1.

 

Jede nationalsozialistische antisemitische Schändung und jede rassistische Mordtat lässt bei jedem geschichtsfesteren deutschen Demokraten das schlechte Gewissen des Versagens eben dieser Demokraten vor 1933 anschlagen. Es erfolgen regelrechte Panikattacken, weil die auftauchende Fratze der deutschen Volksgemeinschaft sich innerhalb der Klassengesellschaft als Negation des Menschseins praktisch zur Wirkung bringt.

Die aus der Welt des Kapitals notwendig hervorgehenden rückwärts orientierten völkisch-nationalistischen Banden stehen nach geschichtlicher Erfahrung in allen Staaten als paramilitärisches Personal bereit, von der staatlichen Kette losgelassen zu werden, wenn die lohnabhängige Klasse wie seit 2012 in Griechenland mit ausgedehnten Protesten gegen die menschenverachtende Politik des EU-Hegemons und der Brüsseler Bürokratie vorgeht, und, um überhaupt zu überleben, sich als politische Klasse zu organisieren beginnt. Das wird gegebenenfalls in Deutschland erfahrungsgemäß kaum anders sein. Bis dahin muss der rechte Mob staatlich an der Kette gehalten werden und dessen „Nestbeschmutzungen“ werden kollektiv in Unschuldsmiene abgewaschen. Wo krisenbedingt eine extreme politische Rechte heranreift, erwartet das lange Gedächtnis des Staatsapparates ebenso die Zunahme einer extremen Linken.

 

Es passt ins volksgemeinschaftliche Bild, dass fast das gesamte linke Spektrum ohne Selbstzweifel und eigenes Profil im Friedenstaumel in die „staatliche antifaschistische Volksfront“ eingebunden ist. Dabei ist der unlösbare Zusammenhang von Faschismus und Kapitalismus längst ausgelöscht. In ihrer gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit, eigener Schwäche und Profillosigkeit fordern sie vom bürgerlichen Staat das Verbot der NPD und aller faschistischer Organisationen. Der Weg zur Hölle ist häufig mit guten Vorsätzen gepflastert. Geht ein Reim nicht so: nur die dümmsten Kälber suchen sich ihren Schlachter selber?

 

Mit der Forderung nach der Auflösung des Verfassungsschutzes oder gar aller Geheimdienste belegt die Linke ihren Realitätsverlust. Offensichtlich hat der Mainstream der deutschen Linken ein staatliches legalistisches Wolkenkuckucksheim ohne machtstrategische Felder einer Klassengesellschaft im Kopfe herumschwirren. Solche naiven, gutgemeinten Forderungen verweisen nicht gerade auf ein linkes analytisches Niveau. Von einer kritischen Darstellung der Notwendigkeit der Durchsetzungsfähigkeit des staatlichen Gewaltmonopols und dessen Funktion fehlt jede Spur. Die Schaffung von mehr theoretischer Klarheit in militärpolitischen Fragen wäre dringend anzuraten, bevor die deutsche Gemütlichkeit des Friedensgesäusels im ruhigen Auge des Hurrikans eventuell in ein Inferno des Kampfes um die Neuaufteilung des Weltmarkts übergeht.

 

Die Blauäugigkeit der Linken als aktiv integrierendes Moment der neuen deutschen Volksgemeinschaft1 wird durch die Scheinheiligkeit der deutschen Außenpolitik gedeckt. Forderungen nach „Menschenrechten“ in China und einen Atemzug später Verträge um Seltene Erden oder um Ölversorgungssicherheit mit den übelsten Regimes. Immer anwidernd doppelzüngig in pfäffischer Unschuldsmiene. Die Theatralik der sogenannten NSA und Prism-„Spähaffäre“ 2013 wollte beispielsweise das Märchen transportieren, dass die ganze Welt und insbesondere die armen Deutschen von den skrupellosen Amis und Engländern abgehört würden. Als gäbe es den Herold'schen Kontroll- und Überwachungsstaat samt Rasterfahndung seit den 1970er Jahren mit dessen 'gesellschaftsanitären' Funktionen nicht. Als ob nicht klar ist, dass alle Geheimdienste das Ausland wie die Weltmeere als freibeuterisches Operationsgebiet behandeln. Und als ob nicht alle Sicherheitsdienste der Welt eng zusammenarbeiten, bei der es nicht um die Bürger geht, sondern um nichts anderes als die Absicherung der 'Freiheit' und 'Sicherheit' der kapitalistischen Eigentumsordnung. Die eigenen deutschen nationalen Interessen werden selten klar formuliert und nie mit offenem Visier in Angriff genommen. Die Linke übt zwar Kritik an allen möglichen Details der deutschen Außenpolitik, hat jedoch längst vergessen, wo der Hauptfeind steht und geht stattdessen mit eben diesem im Gleichschritt gegen die Amis als dem eigenen obsessiv besetzten imperialistischen Hauptfeind.

 

Nun findet jede Nation zur rechten Zeit jene Schreiberlinge, die sie gerade braucht, wie vorhin im Zusammenhang mit der geschichtsrevisionistischen Vereinnahmung der Shoah für die nationale Identitätsbildung Deutschlands gezeigt wurde. 2011 wurden nun die Youngsters des 1958 gegründeten Tönissteiner Kreis2mit einem nichtssagend schwachen Text zu einem Vorzeichenwechsel zur deutschen Außenpolitik in allen wichtigen Printmedien gebauchpinselt. Die jungen deutschen Führungskräfte forderten, dass die deutsche Außenpolitik die deutschen Interessen auf dem Weltmarkt endlich offensiv, jedoch menschelnd vertritt. Ein kleiner Türöffner aus der sogenannten Bürgergesellschaft, der medial aufgebauscht wurde, weil Deutschland außenpolitische Präsentationsschwächen hat. Die Wochenzeitung der Studienräte widmete der Frage danach, wie sich denn die Außenpolitik der BRD inzwischen gemausert habe, 2013 eine ganze Serie. Der Tenor war, dass sich die neue deutsche Außenpolitik durchaus sehen lassen kann3. Wer hätte das geahnt! Das außenpolitische Heraustreten der BRD mit dem offenen Visier liegt in der Luft, weil Deutschland von den „Partnern“ offen zur politischen Führung der EU gedrängt wird4. Allerdings verstehen sie unter Deutschlands „Verantwortung“ und „Führungsstärke“ im Klartext: Bankenunion samt Einlagensicherung, Eurobonds, gemeinsame (Alt-)Schuldenhaftung und transnationale Transferzahlungen.

 

Wenn Deutschland bei Festigung der stagnativen Tendenzen des Weltmarkts seine Führungsrolle in der EU womöglich als nicht-gütiger Hegemon offen anzugehen gezwungen sein sollte, dann muss sich die deutsche Linke gegenüber der neuen Außenpolitik der Herrschaften grundsätzlich klar und deutlich positionieren, wenn sie nicht jede Existenzberechtigung einbüßen und von der deutschen Volksgemeinschaft – ob gewollt oder ungewollt – vollends absorbiert werden will.

 

B.

Hierzu nochmals zurück zum Ausgangspunkt der Festigung der jetzigen neuen deutschen Volksgemeinschaft: Deutschlands dreigliedriger Initiationsritual als sich völkisch homogen sehnende Nation zu Beginn der 1990er zeigte sich vorstehend als keineswegs offiziell staatlich getragen oder gepushte Ereigniskette – wenngleich die bourgeoisen Medien Öl ins Feuer zu gießen wussten gemäß den Interessen des deutschen Kapitals an allen vorhin aufgemachten Fronten.

 

Die völkische Initiation wurde 1991 jedenfalls propagandistisch nicht vom Staatsapparat getragen, sondern von den rechten (Initiationsschritte eins und zwei) und linken Flügeln (Initiationsschritte eins und drei) des politischen Spektrums und den GRÜNEN als neudeutscher Kraft der deutschen Bourgeoisie. Die breiten Schichten der gesellschaftlichen „Mitte“ waren mehrheitlich stumme Unterstützer der antiwestlichen und antisemitischen Ressentiments5. Und sie waren auch die Gaffer bei den danach folgenden xenophoben Gewaltorgien. Die linken Gutmenschen brachten es fertig, im Golfkrieg II gegen die USA samt Israel so Stellung zu beziehen, dass sich die übergroße Mitte und die Rechte dadurch bestärkt fühlen konnte, und dann, als die extreme Rechte über die gutbürgerlichen Stränge schlug, sich mit Friedensappellen ohne eigenständiges politisches Profil in die Lichterketten in Volksfrontmanier einzureihen.

 

Das dreigliedrige Ritual war treibendes Moment der Initiation der neuen deutschen Volksgemeinschaft, indem es im ersten Schritt spontan die antiamerikanische Projektionsfläche als notwendige Außenspiegelung zur eigenen nationalen Erweckung inszenierte. Diese gesamtdeutsche Spontanität war das Echo auf das Wir sind das Volk! der antiamerikanisch geimpften Schwestern und Brüder der befreiten „Ostzone“.

 

Die freiwillige Anerkennung der neu gewonnenen Knechtschaft durch die einen und die im stummen Zwang der Lohnsklaverei sich freiwillig in ihren fünf-Kisten eingerichteten anderen waren die Bedingungen für jenen ersten Initiationsschritt. Sie hatten allerdings die vom „Volk“ „gefühlten“ deutschen außenpolitischen „erfolgreichen“ Alleingänge – Wiedervereinigung, „Serbien muß sterbien“ und „Verweigerung“ zum Beitritt der „Allianz der Freiwilligen“ im Golfkrieg II – zur Voraussetzung auf der Grundlage der ökonomischen EWG-Vormacht Deutschlands.

 

Schritt eins des Initiationsrituals war die Antithese des Deutschseins, Schritt zwei ist die Praxis der These des Deutschseins, Schritt drei ist deren Synthese als 'anständiges' deutsches Volk – dieser völkische Dreiklang modulierte sich zur deutschen Normalität als einem scheinbaren Dauerzustand selbstgefälliger technisch versierter Termiten. Deren Arroganz steigt mit zunehmender deutscher Wirtschaftspotenz bei jeder Wiederkehr jenes dreigliedrigen völkischen Veitstanzes. Wir sind wieder wer! Endlich wird in Europa deutsch gesprochen! Das Ganze war und ist durchaus ein Wechselspiel zwischen „Mob und Elite“. Die deutschen „Geisteseliten“ outeten sich hierin als devote speichelleckende Stichwortgeber.

 

Die Berliner Republik verstand und versteht es, wie schon mehrmals betont, bisher klug, die nationalen Steilvorlagen der Gesellschaft in Momente der nationalen Identität als deutsche Volksgemeinschaft umzuwandeln. Dies ist kein Alleinstellungsmerkmal der BRD, vielmehr regeneriert sich das Kapitalverhältnis laufend durch die gekonnte Vereinnahmung und Integration aller neuen materiellen und ideellen gesellschaftlichen Phänomene – die Situationistische Internationale nannte dies zutreffend Rekuperation. Deutschland nutzt alle zufälligen und verdeckt initiierten gesellschaftlichen Ereignisse des nationalen Rahmens des Kapitalverhältnisses, um in der Stabilisierung einer nationalen Identität voranzukommen.

 

So gelang es dem staatlichen Propagandaapparat z.B. gegen heftigen inneren Widerstand, rechtzeitig vor dem Kosovokrieg 1999, die Wehrmachtsausstellung6 – seit 1995 ein Wander-Krachmacher in mehr als 30 Städten – für sich als Reinigungsritual der Bundeswehr in Abgrenzung zur Wehrmacht des NS medial zu inszenieren, um sich als Element nationaler Selbstfindung selbst mit gesäuberter weißer Wäsche als zum Militäreinsatz geradezu berufene „Wächternation für Menschenrechte“ nach außen und innen zu stilisieren.

 

Im Kontext der Opfer-Täter-Verschiebungsmuster bedeutet die gefestigte neue deutsche Volksgemeinschaft: Die nichtbourgeoise große Mehrheit des „deutschen Volkes“ zeigt ihrer Bourgeoisie seit 1991 zunehmend, dass, wenn es auf Weltmarktebene zu einer Konfrontation mit den USA kommen sollte, sie geschlossen hinter Berlin steht.

 

Das Verhältnis der Weltmacht mit ihrem Nachkriegs-„Zögling“ zerrüttete sich zusehends. Deutschlands Anschlusspolitik der DDR, der Alleingang 1990 bei seiner sehr „energischen“ Unterstützung der Sezession Kroatiens und Sloweniens in der Jugoslawienkrise und seine Beschwichtigungspolitik (Appeasement-Politik) im Golfkrieg II 1991 zerstörte jedes Vertrauen der Westalliierten in die Berechenbarkeit der Außenpolitik der BRD. Der Golfkrieg III von 2002, in dem Deutschland mit der Achsenbildung Moskau-Berlin-Paris erstmals auf offenen Konfrontationskurs mit den USA ging, beschleunigte und verstetigte den Schmusekurs der zusammengewürfelten, zunehmend antiamerikanisch fixierten Demonstranten mit ihrer Regierung. Sie spielten hiermit den Interessen des deutschen Kapitals in Südwestasien (Naher-Osten) in die Hände. Die neuen deutschen außenpolitischen „Erfolge“ auf der Grundlage ökonomischer Vormacht in Europa stärkte die von nationalen Minderwertigkeitskomplexen geplagten Bundesdeutschen und riefen ein völkisch zugerichtetes „Selbstbewusstsein“ der Untergebenen hervor, das sogleich zwanghaft in Selbstgefälligkeit umschlug.

 

Deutschland hat sich durch obige und weitere – später noch zu konkretisierende – Großmachtbestrebungen schon vor der sogenannten EURO-Krise im Westen zunehmend isoliert – nur die Linke hat es nicht bemerkt, bzw. begrüßt die deutschen Großmachtambitionen unreflektiert, weil es letztlich doch immer gegen die Amis geht. Große Teile der Linken sind im Kreise des völkischen Antiimperialismus angekommen, der nicht reflektiert, dass er an der Seite und im selbst suggerierten Bündnis mit in- und ausländischen reaktionären Kräften mit der eigenen Bourgeoisie marschiert. Dass die völkischen Antiimperialisten der islamischen Welt in Deutschland den potentiell wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen die USA und den „Weltzionismus“ sehen, dürfte auch der Linken nicht entgangen sein.

 

C.

Der Weg zur Stabilisierung einer nationalen Identität des neuen Deutschlands ist gegenwärtig problematisch, weil die deutsche Bourgeoisie – bisher jedenfalls – auf „Europa“ setzt und damit national leise treten muss. In den „Erfolgsjahren“ der 1990er Jahre bis zur Weltwirtschaftskrise 2007 versuchte Deutschland vergeblich, eine postnationale Europa-Identität für die erhofften VSE zu propagieren. Da half es keinen Deut, dass bei offiziellen Schaulaufen die Deutschlandflagge stets mit dem EU-Sternenbanner gepaart wurde.

 

Dass die nationale Identitätssuche des neuen Deutschlands in eine Epoche fällt, in der sich die Nation als souveränes bürgerliches „Ideal“ längst als staatsfetischistisches Phantasma verwirkt hat, macht das deutsche Problem ebenfalls nicht leichter, die Volksgemeinschaft mit einer ideologischen Duftnote zu markieren:

 

"´Der Glaube an die Nation´, hatte Adorno 1960 geschrieben, ´ist mehr als jedes andere pathische Vorurteil die Meinung als Verhängnis; die Hypostasis dessen, wozu man nun einmal gehört, wo man nun einmal steht, als des Guten und Überlegenen schlechthin. Er bläht die abscheuliche Notstandsweisheit, daß wir alle im gleichen Boot sitzen, zur moralischen Maxime auf. Gesundes Nationalgefühl vom pathischen Nationalismus zu scheiden, ist so ideologisch wie der Glaube an die normale Meinung gegenüber der pathogenen; unaufhaltsam ist die Dynamik des angeblich gesunden Nationalgefühls zum überwertigen, weil die Unwahrheit in der Identifikation der Person mit dem irrationalen Zusammenhang von Natur und Gesellschaft wurzelt, in dem die Person zufällig sich findet.´ Man wußte es einmal besser und machte sich dennoch gemein mit dem Gegenstand der Verachtung, die man gegenüber Leuten empfunden hatte, die mit der nationalen Phrase hausieren gingen. Zwar ließ sich gegen die Rauner des Nationalen und der Wiedervereinigung mit Polemik wenig ausrichten, aber es bereitete Eike Geisel dennoch großes Vergnügen, die als "Identitätssuche" veredelte Anbiederei bloßzustellen, um zu demonstrieren, wie überaus eifrig die Intellektuellen ihren eigenen Bankrott bewerkstelligten. Vor allem, wenn ihre unheilbare Liebe für den Befreiungskampf des palästinensischen und irakischen Volkes entflammte und sie sich als Nationalisten und Antisemiten entpuppten, befanden sie sich in einer Tradition, die ihrer Überzeugung nach schon lange vorüber war, derzufolge die Vergangenheit verarbeitet sei und die Deutschen aufgeklärt und liberal wie nie.


Die Deutschen aber glichen einem begriffsstutzigen Kind. Sie zeigten sich 'resistent gegen jede Aufklärung über die eigene Vergangenheit'. In den achtziger Jahren fing dann das Geschäft mit der Erinnerung zu boomen an, eine 'unspezifische Erinnerungswut' (Clemens Nachtmann) setzte ein, aber die hatte nur wenig mit Einsicht oder Läuterung zu tun. 'Verordnete Aufklärung', schrieb Eike Geisel, 'ist so unsinnig wie die komplementäre Bereitschaft, an ihr wie durch massenhafte Verabredung organisiert teilzuhaben.' Daß die Deutschen mit der nämlichen Betriebsamkeit, die sie einst beim Vernichten und dann beim Vergessen an den Tag gelegt hatten, sich nun an die eigene Vergangenheit machten, diesem Umstand haftet etwas Groteskes an. Erst in der beflissenen Erfassung der Nazizeit kommt Horkheimers Verdikt, er kenne kein verhärteteres Kollektiv in der ganzen Welt, zu seiner vollen Wahrheit. Gemünzt auf die geschäftige Verdrängung der Verbrechen, erfährt jenes Urteil gerade durch die treibende Kraft der deutschen Rückschau eine paradoxe Bestätigung. Denn in der eifrigen Materialsammlung und der sie begleitenden gefühligen Anschauung wurde aus der Besinnung auf den Nationalsozialismus eine neue Besinnlichkeit und der Verstand wurde vom Verständnis abgelöst [...] Gerade die offenherzige Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ging reibungslos konform mit wachsendem Ausländerhaß und parteiübergreifendem Patriotismus, wohingegen wahrhafte Auseinandersetzung mit der Vergangenheit einzig darin bestünde, den notorischen Zusammenhang zu kündigen."
7

 

Dass die Deutschen nichts aus ihrer Geschichte lernten, außer sie modifiziert fortzusetzen, belegt die Kontinuität der Destabilisierungspolitik der Berliner Republik seit 1990. Die gegenwärtige Krise entfachte die in der Euro-Boom-Phase verdeckten nationalistischen antieuropäischen Stimmungen in genau jenem explosiven Mix völkischer Separationsgelüste weiterentwickelter Regionen, wie sie die deutsche Usurpation Europas während der NS-Ära bewusst hervor getrieben hatte. Jetzt braucht die neue BRD für ihre offene EU-Führungsrolle dringend eine für die EU-„Partner“ akzeptable nationale Identität ihrer Staatsbürger. Die ererbte politische Matrix ist kaum einsetzbar zur politischen Transformation seiner potentiell Technisch-versierten-Termiten zu einer Chimäre zwischen regressivem neu-deutschem völkischen „Selbstbewusstsein“ und der „Idee“ von europäischer Identifikation als Bund gleichberechtigter Nationalstaaten. Denn die intellektuellen und politischen Wortführer des neuen Deutschlands – wie es in obigem Zitat angerissen und später behandelt wird – machten sogleich Anfang der 90er Jahre klar, dass wir Deutschen nicht der „Idee“ der Nation anhängen, sondern uns als Volk fühlen. Die Herren verdecken hiermit ihre eigene Verblödung: aus der Not, nicht im Kampf zur bürgerlichen Nation gelangt zu sein, machen sie die „Tugend“ einer phantasmagorischen völkischen Provinzialität von „Landsmannschaften“. Wie viel völkisches Deutschland erträgt „Europa“? Da wollen transnationales oder postnationales „Europa“ und nationale-völkische Identitäten gleichgewichtet austariert sein, um je nach Verlauf der EU-„Integration“ nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

 

Die neu-souveräne Berliner Republik hat die Leerstelle der Matrix bürgerlicher nationaler Identität von der vorher politisch pubertierenden Bonner Republik geerbt. Die Deutschen brachten, wie zuvor schon dargelegt, als einziges Völckchen der EU-„Partner“ das Kunststück fertig, sich ohne erfolgreichen bürgerlichen Befreiungskampf gegen den Feudalismus ein nationales Selbstbild schon im feudalen Ideenhimmel vor der Staatsgründung zurecht zu zimmern. Aus der Not bürgerlicher Feigheit und Schwäche wurde ein regressiver völkischer Nationalismus eines Obrigkeitsstaates ausgebrütet, einer Nationalstaatsbildung von oben statt der Herausbildung eines Nationalbewusstseins im Zuge einer bürgerlichen Revolutionsepoche. Jahrhunderte lang hielt man sich als selbst zu Höherem berufen. Ohne eigenen Nationalstaat reduzierte sich das Selbstbild notgedrungen auf die Kulturnation überhaupt.

 

Da nun die Bürger des deutschen feudalen Flickenteppichs und deren Nachfahren keinen hervorzuhebenden eigenständigen Beitrag zur Errichtung ihres Nationalstaates vorzuweisen hatten, blieb die feudale völkische Matrix tief in der herrschenden deutschen Ideologie verankert. Nach 1871 wurde die feudale Matrix gemäß den Interessen des deutsch-nationalen Gesamtkapitals zeitgerecht imperialistisch modifiziert eingesetzt, wie in Kapitel 8 skizziert. Nach der von den Malochern durchgefochtenen Novemberrevolution 1918 legten deren Organisationen, die SPD und der Gewerkschaftsapparat die Republik ihren Herrschaften zu Füßen, nachdem sie die Massaker am radikalen Flügel der Arbeiterklasse politisch verantwortlich inszeniert hatten. Die Weimarer Republik war der großen Bourgeoisie nicht genehm. Dem deutschen Spießbürger, der G. Freytags Soll und Haben verschlang, war sie verhasst – er wollte seinen Kaiser Willem wieder haben. Aus dieser Periode konnte auch kein bürgerliches nationales Bewusstsein erwachsen. Im Nationalsozialismus kam der völkische Nationalismus des Deutschen Reichs selig als Grauen zu sich selbst.

 

Die Nation als ein geschichtsmächtiges ideologisches Phantasma kann ihrerseits nicht ohne Schöpfungsmythos auskommen. Was haben die Bürgers denn sonst, um sich über die anderen Bananenrepubliken zu erheben? Hierin liegt das deutsche Trauma schon vor, aber erst recht nach 1945. Die BRD musste sich anfangs zwanghaft von der 'tausendjährigen' nationalsozialistischen Periode abgrenzen.

 

Das fehlende bürgerliche nationale Selbstbewusstsein versuchte die Bourgeoisie nach 1960 wohlweislich vom politischen Feld zu verschieben und durch ökonomische Erfolgsmythen a lá „Wirtschaftswunder“, „Mittelstandsgesellschaft“ aufzufüllen. Die Betonung der deutschen „Wirtschaftskonfession“ war der einzige nationale Strohhalm der Identitätsstiftung im gemeinsamen Volksbötchen der postfaschistischen Ära. Hierzu wurde die deutsche Arbeitsideologie mit dem mythologischen Reigen des „Made in Germany“ als „Exportweltmeister“ kompensatorisch aufgeladen. Die Politik der Berliner Politik folgt aus Mangel an sonstigem „Erbaulichem“ unbeholfen diesem alten ökonomie-fetischistischen Muster.

 

Seit 1871 bis heute agiert Deutschland politisch ohne jedes Gespür für zivilisierende Diplomatie stets aufs Neue als ökonomische Vormacht mit Neuordnungsversuchen im Hau-Ruck-Verfahren und Kommandoton von-oben. Eine langsame ökonomische und politische Annäherung der Staaten Europas wird erst gar nicht reflektiert – sie widerspräche allerdings auch der Dynamik der Konkurrenz der Nationen des Weltmarkts. Die deutsche Bourgeoisie hatte und hat nur die Wahl, beherzt zuzugreifen, alles auf eine Karte zu setzen, oder unterzugehen. Die Wahl, die Geschichte zu wenden, hatte das Proletariat und versagte zweimal. Zwei so ermöglichte deutsche Vernichtungskriege als Versuche des Griffs zur Weltmacht über die Zwischenetappe Europa-zuerst gingen bitter in die Hose. Es ist das hierdurch selbst verantwortete Los der mehrfachen Verlierernation der Weltgeschichte, dass ihre Taten ihren Tätern nur nationale Minderwertigkeitsgefühle bescherten.

 

Beim laufenden dritten Neuordnungsversuch hat es das politische Personal für die EU-Führungsrolle Deutschlands in der laufenden EU-Krise mit den selbstbewussten Politikerkasten früherer Weltmächte zu tun, die jederzeit auf deutsche Schwächen warten, um ihre Nation der deutschen EU-Hegemonie möglichst weit zu entziehen.

 

Das gealterte DDR-Mädchen mag in ihrer Gouvernantenrolle den deutschen Biedermann beruhigen, ihre Stellung auf EU- und Weltmarktparkett steht und fällt jedoch ausschließlich mit Deutschlands Wirtschaftsstärke. Erwischt es Deutschlands Exportindustrie sehr – sobald die Fabriken der Schwellenländer mit deutschen Maschinen bis zu deren im Anmarsch befindlichen Überproduktionskrise bestückt sind –, dann droht das deutsch-nationale Minderwertigkeitssyndrom die Politikerkaste Deutschlands erneut zu kopflosen Eskapaden zu treiben – dessen unappetitlichen Vorgeschmack sie beim vergeblichen Versuch der deutschen Diplomatie von 2004/05 servierten, für Deutschland einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat einschließlich Veto-Recht als „natürlichen“ Anspruch durchzusetzen.

 

Die nationale Identität kann Deutschland nicht mehr offiziell stiften mit beliebten kulturalistischen Selbst-Überhöhungen. Nach der Periode als Land der Henker wäre es grotesk, sich selbst nochmals als Land der Dichter und Denker stilisieren zu wollen. Immer wieder lancierte eindringliche Beschwörungsformeln einer deutschen Leitkultur waren und bleiben eine Lachnummer, weil deren überkommener konservativer Wertekanon in den Ideenhimmel entschwunden ist. Das Wertesystem der feudal-preußischen Ordnung und Tugenden wurde und wird auf deutschem Boden sozial-ökonomisch zerrieben. Ihre Walhalla-Kultur großer deutscher Zungen wie auch die offizielle Auswahl von feudalen Widerstandskämpfern gegen die Naziherrschaft taugen z.B. auch nicht zum Anfachen bürgerlicher nationaler Gefühle. Das hochentwickelte, exportorientierte gesellschaftliche Gesamtkapital Deutschlands benötigt 2012 diametral andere Orientierungen von Weltoffenheit statt provinzieller Enge der Kaiserzeit selig.

 

Doch viele „DNS- und DNA-Bruchstücke“ der ererbten völkischen politischen Matrix sind im preußischen Vorurteils-Kanon gegenüber anderen Nationen untergründig wirkmächtig geblieben und drängen – krisenbedingt medial aufgegriffen und situationsgerecht für die Interessen des Kapitals moduliert – inzwischen an die Oberfläche des deutschen Alltagslebens und in elitäre Diskussionszirkel zurück.

 

Keines der massenhaften Zeichen alter Symbolik vermag die Nachwachsenden jedoch in den nationalen Rausch zu versetzen – die Nation scheint als ideologischer Kitt ad acta gelegt. Nur die eine Klammer eruptiven nationalen Aufwallens steht Deutschlands Propaganda derzeit offen. Der Profisport, vor allem Fußball, ist als Motor von Brot und Spiele der deutsche Katalysator nationaler Identitätsstiftung.

 

Deutschlands erstes kollektives BRD-Erfolgserlebnis, auf das das deutsche Volk erstmals nach 1945 ungeniert und geschlossen stolz sein durfte, war der Titel bei der Fußballweltmeisterschaft in Bern 1954. Die sich überschlagende Stimme des Reporters erinnerte an vergangene, heraus geschriene Wochenschauen. Nicht von ungefähr erfuhr jenes Spiel seine mythologische Cinema-Wiederkehr zur Fußball-WM 2006 in Deutschland. Unter dem aufpolierenden, völkisch anbiedernden Motto Zu Gast bei Freunden schwenkten letztere für erstere erstmals nach 1945, dem unkritischen Zeitgeist gemäß mit nationalem Stolz, millionenfach schwarz-rot-goldene Fahnen. Schmückten massenhaft ihr Heiliges Blechle mit Deutschlandflaggen und manchen anderen nationalen Kokolores-Kitsch. Auffallend war der offensive Fanatismus der Jugendlichen, insbesondere auch vom Bund deutsch-blond-gefärbter Mädels ohne sonstiges Fußballinteresse.

 

Eine Mini-Minorität atmete (wie alle zwei/vier Jahre) auf, als Deutschland ausschied. So blieb wenigstens jener nationale Rausch aus, der den Schulterschluss von oben und unten wiederum ein Stück weit vorangebracht hätte. Allerdings droht die Wiederkehr dieser nationalen Aufwallungsorgie inzwischen durch die ausgefeilte Eventkultur bei jedem deutschen Länderspiel in abgewandelter Form. Das Bild Deutschlands wird hierbei nicht mehr durch brachiale Kampftruppen, sondern als weltoffenes multikulturelles Team postmoderner Individualisten gezeichnet.

 

Die propagandistische Ausschlachtung „sportlicher“ Wettkämpfe für das Streicheln der nationalen Seelchen und für die nationale Erbauung ist so alt wie die internationalen Wettkämpfe selbst. Ein geradezu anwiderndes Beispiel hierzu war die funktional „reinwaschende“ nationalistische Masche der „Menschenrechts-Wächter-Nation“ Deutschland zur Fußballeuropa-Meisterschaft 2012. Das Gastgeberland Ukraine wurde wegen einer fragwürdigen inhaftierten Zockerin der orangenen Revolution der Verletzung der Menschenrechte auf sämtlichen medialen Kanälen angegriffen und offiziell von der hohen deutschen Politik boykottiert, dem sich große Teile der EU-Bürokraten notgedrungen geflissentlich anschlossen. Hinter der deutschen Volte stand die Annäherung der aktuellen ukrainischen Führung an Russland. Berlin schwang im Augenblick der EM publikumswirksam demonstrativ die „Menschenrechts“-Peitsche zur Erzwingung einer EU-Annäherung der Ukraine, um ab Herbst 2012 das Zuckerbrot verstärkter ökonomischer Zusammenarbeit zu schmieren, um seine Chance gegen den Konkurrenten Russland zu wahren.

 

Getoppt wurde dies von einer schmierigen national-aufpolierenden Choreographie des Managements der Nationalmannschaft selbst und deren noch smarterem Trainer. Sogar die bürgerliche Presse bemerkte den speiübel inszenierten Besuch der Mannschaft im Museums-KZ Auschwitz samt Niederlegung eines Kranzes des DFB, der früher nur mit reaktionärem Gebaren auffiel – seht her, alle deutschen Fußballgaue stehen hinter dem deutschen Schuldeingeständnis! Der nationale Schulterschluss des DFB ist im Modernisierungsumbruch, selbst Homosexualität und psychische Überforderungen werden zur eigenen Imagepflege und jene des Standorts thematisiert.

 

Unübersehbar ist die in den letzten 25 Jahren zu einer milliardenschweren „Kultur“- Industrie herangewachsene Sportmasche der nationalen Identitätsstiftung der Heranwachsenden sehr zuträglich. Die Ästhetisierung des Körperkults durch Riefenstahls Inszenierung der Olympiade 1936 findet jährlich zugespitzte Neuauflagen, den Sport als Transformationsriemen des Nationalismus zu nutzen.

 

Die staatliche Initiierung großer Sportereignisse als Brot und Spiele baut hier zu Lande stark auf die verinnerlichte deutsche Arbeitsideologie zur Stärkung des deutschen nationalen Gesamtkapitals. Spätestens seit Mitte der 90er Jahre schwingen die Kapitalisten, das gewerkschaftliche Co-Management, das politische und ideologische Personal gemeinsam die Keule der Standort-Konkurrenz. Sie propagierten im Zuge der Einführung der Gruppenarbeit, der massenhaften Frühverrentung der über 50 jährigen Malocher olympia-reife Betriebsmannschaften.

 

Hierzu wird die brutale Konkurrenz des Weltmarkts beim deutschen Wirtschaftserfolg als sportlich fairer Wettbewerb schön geredet und clever sportlich verbrämt. Der feine, jedoch entscheidende Unterschied wird unter den Tisch gekehrt: Beim fairen sportlichen Wettbewerb wird ein Sieger ermittelt, ohne dass der Verlierer physisch vernichtet wird. Hingegen zielt die ökonomische Konkurrenz glasklar auf Verdrängung, Kaperung oder Vernichtung der Mitkonkurrenten. Bleibt man auf der Ebene des „Spiels“, dann ist der vernichtende ökonomische Wettbewerb vergleichbar den römischen Gladiatorenkämpfen, die für den Verlierer in der Regel tödlich endeten.

 

Die ökonomische Konkurrenz ist den Technisch-versierten Termiten als zweite kapitalistische gesellschaftliche Natur zur eigenen zweiten Natur geworden und die Quelle des herrschenden verallgemeinerten Sozialdarwinismus. Letzterer schafft sich Luft in sozial-chauvinistischer Selbstüberhöhung durch die Herabsetzung anderer Nationen. Über den Weg des Außenverhältnisses stellt der Sozialchauvinist seine Identität als Mitglied der deutschen Volksgemeinschaft erst her. Die Deutschlandflagge heutzutage hissen, heißt als Volksgenosse die Fahne des deutschen Gesamtkapitals in alle Welt zu tragen. Produzentenstolz der deutschen „Leistungsgemeinschaft“. Made in Germany. Da macht uns so leicht keiner was vor!

 

Allerdings sind die sportlichen und ökonomischen Ersatzkrücken für die nationale Identitätsstiftung so brüchig, wie die sportlichen und ökonomischen Erfolge der Berliner Republik endlich sind. Wenn die Wirtschaft längere Zeit schlecht „florieren“ sollte, bleibt dem Michel als relativer internationaler „Verlierer“ nur noch die pure deutsche Volksgemeinschaft als Strohhalm seiner Regression. Wahrhaft keine schönen Aussichten, wo das Grauen längst aus manchen Winkeln lugt.

 

Nach 1945 hat sich die Problemlage nachholender bürgerlicher nationaler Identitätsfindung Deutschlands bis in die Gegenwart verschärft. Solange die Bonner Republik im Kreis „gleichberechtigter“ multilateraler EU-Diplomatie die graue Maus spielen konnte, durfte sie sich außenpolitisch nicht durch nationale Töne exponieren. Man lag den Westmächten ideologisch Kreide fressend – scheinbar „wegen“ Auschwitz zu Füßen. Nach 1989 sprachen Teile der deutschen Eliten von neuem deutschen „Selbstbewusstsein“, was bei den EU-„Partnern“ jedoch als deutsche Arroganz, Selbstüberschätzung und Selbstgefälligkeit ankommen musste, da sich die außenpolitische Praxis Deutschlands mit stetigen Forderungen und inzwischen regelrechten Diktaten im herrischen, drohenden Unterton durchzusetzen versucht. Da kommt zwangsweise die Frage auf, ob die Deutschen den EU-„Partnern“ in modernisierter Weise an die Gurgel gehen werden.

 

Das Problem der Leerstelle eines bürgerlichen Nationalbewusstseins der Deutschen wird erst fassbar, wenn ihr exemplarisch Erinnerungen entgegengesetzt werden, die in anderen Ländern die nationale Identität setzen. Frankreich ist das Paradebeispiel bürgerlicher politischer Revolution und einhergehendem nationalen Selbstbewusstsein. Daher sei eine Stelle in Heines Denkschrift an Börne zitiert, die Heine als Börne´s eigene Worte wiedergibt.

 

„… Aber das Exil, das Exil, das ist eine schreckliche Sache… Ach! Wie beneide ich die französischen Republikaner! Sie leiden aber im Vaterlande. Bis zum Augenblick des Todes steht ihr Fuß auf dem geliebten Boden des Vaterlandes. Und gar die Franzosen, welche hier in Paris kämpfen und alle jene teuren Denkmäler vor Augen haben, die ihnen von den Großtaten ihrer Väter erzählen und sie trösten und aufmuntern! Hier sprechen die Steine und singen die Bäume, und so ein Stein hat mehr Ehrgefühl und predigt Gottes Wort, nämlich die Märtyrgeschichte der Menschheit, weit eindringlicher als alle Professoren der Historischen Schule zu Berlin und Göttingen. Und diese Kastanienbäume, hier in den Tuilerien, ist es nicht, als sängen sie heimlich die Marseillaise mit ihren tausend grünen Zungen?... Hier ist heiliger Boden, hier sollte man die Schuhe ausziehen, wenn man spazieren geht… Hier links ist die Terrasse der Feuillants; dort rechts, wo sich jetzt die Rue Rivoli hinzieht, hielt der Klub der Jakobiner seine Sitzungen… Hier vor uns, im Tuileriengebäude, donnerte der Konvent, die Titanenversammlung, wogegen Bonaparte mit seinem Blitzvogel nur wie ein kleiner Jupiter erscheint… dort gegenüber grüßt uns die Place Louis XVI, wo das große Exempel statuiert wurde… Und zwischen beiden, zwischen Schloß und Richtplatz, zwischen Feuillants- und Jakobinerklub, in der Mitte, der heilige Wald, wo jeder Baum ein blühender Freiheitsbaum…“8

 

Die Steine, Plätze, Gebäude, Straßen, Bäume von Paris, die Börne „sprechen“ lässt, sprechen die Sprache des politisch siegreichen Bürgertums Frankreichs. Sie sind mythologisiert im Dienste der nationalen Ideologie, haben jedoch die geschichtliche Substanz der eigenen erfolgreichen Taten der Bürger selbst. Sie sind das steinerne Zeugnis und der Beleg dessen, was Frankreichs offizielles Nationalbewusstsein ausmacht und sich im Gedächtnis des einzelnen Bürgers als nationale Identität widerspiegelt.

 

Während Heine diesen Anwandlungen des republikanischen Agitators Börne 1832 lauschte, war Bayernkönig Ludwig I. daran gegangen, „Teutschlands tiefste Schmach“ der Niederlagen gegen Napoleon 1806 und des (mit der französischen Kollaboration des Rheinbunds verbundenen) Zerfalls des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation durch die Errichtung eines „Ruhmestempels“ für die Besten der „Teutschen Zunge“ ein Zeichen zur Einigung aller „Stämme teutscher Sprache“ als Großdeutschland zu setzen. Der Grundstein für jene Walhalla wurde 1830 am Arsch der Welt hoch über der Donau südlich dem Thurn & Taxis Provinznest Regensburg gelegt; 1842 wurde der im klassisch griechischen Stil des Pantheon gehaltene marmorne Tempel eingeweiht und mit den ersten 60 Marmorbüsten bestückt – als erster fand „natürlich“ die von Tacitus Legenden gestrickte und von M. Luther aufgegriffene Führergestalt Hermann = Arminius, der Cherusker, seinen Platz9.

 

Es handelte sich bei dieser Suche nach deutscher Identität um einen feudalen Rückgriff auf den phantasmagorischen Germanenkult der Altdeutschen des Wartburgfestes von 1815, der dann im nach 37 jähriger Bauzeit 1875 eingeweihten Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald steinern zu sich selbst kam, abgerundet durch die Germania im Niederwalddenkmal zu Rüdesheim 1877.

 

Nach dem gewonnenen Krieg gegen Dänemark 1864 begann Preußen den Bau der Siegessäule auf dem Königsplatz in Berlin. Nach dem Sieg über Österreich 1866 und über Frankreich 1870 mit der Errichtung des zweiten deutschen Kaiserreichs wurde die Siegessäule 1873 am Jahrestag der gewonnenen Schlacht von Sedan als Nationaldenkmal der drei Einigungskriege preußisch interpretiert eingeweiht. Die der griechisch-römischen Mythologie entnommene Krönungsfigur Viktoria (Goldelse genannt) verweist in ihrer Gestaltung explizit auf die fortgesetzte Rückwärtsgewandtheit der Identitätssuche der deutschen Nation. Adolf mit dem Schnurrbart ließ diese Siegessäule nach dem Anschluss Österreichs auf den Stern umsetzen und bei dieser Gelegenheit die drei Säulensegmente als Symbol der drei Einigungskriege um ein viertes Segment erweitern (sic!).

 

Der vorstehende Reigen von Nationaldenkmälern Deutschlands, der hier im Text vom 1791 erbauten Brandenburger „Friedens“-Tor als Ausdruck des preußischen Militarismus und mit dem 1913 eingeweihten negrophilen Völkerschlachtdenkmal Leipzig eingerahmt sei, belegt als totgeborene steinerne Zeugnisse die deutschen Zustände. Die von Börne beschwärmten, zu Stein gewordenen authentischen Orte nationaler bürgerlicher französischer Erinnerungen stehen im diametralen Gegensatz hierzu.

 

Die von Börne beschworenen Orte, Gebäude und Plätze sind bis in die Gegenwart in lebendiger nationaler Erinnerung, weil dort erfolgreiche bürgerliche Kämpfe geführt und Erfolge errungen wurden, die mit gravierenden Wendungen in der französischen Geschichte verbunden sind.

 

Die aufgeführten nationalen Denkmäler Deutschlands sind dagegen im nirgendwo der deutschen Wälder oder am Hauptort der preußischen Despotie in peinlichst regressiven Stil errichtet. Sie sind keine Orte ergreifender Erinnerung an erfolgreiche bürgerliche Kämpfe, sondern Ausflugsziele fürs deutsche kontemplative Gemüt an Orten des deutschen Heimatgefühls. Die deutsche Regression der Gegenwart ließ es nicht einmal zu, den DDR Palast der Republik stehen zu lassen. Wo kämen wir hin, wenn dieser Sozialisten-Tempel des biederen Pöbels auf den geschleiften Grundmauern der vormaligen groß-preußischen Trutzburg Bestand gehabt hätte! Stattdessen stellen sie sich mit der Neuerrichtung des den Berliner Malochern stets verhassten Berliner Stadtschlosses am von roten Erinnerungen entsorgten Platz der Arbeiter und Bauern Republik bewusst in die völkische militaristische Tradition Preußens gerade zu der Zeit, in der sich die EU-“Partner“ vor einer Neuauflage Deutscher Großmachtpolitik im Stile Groß-Preußens fürchten.

 

Tatsächlich hat Deutschland als Ausnahme-Nation fast nur negativ besetzte Gedenktage zu bewältigen, die kaum zur nationalen Erbauung und Identitätsstiftung taugen, sondern meist gnadenlos an vergangene nationale „Unglücke“ erinnern, die inzwischen in zahllose steinerne Mahnmale gemeißelt wurden und stets die Funktion haben, die Läuterung der Nation vor sich selbst und der sie beargwöhnenden westlichen Staatenwelt zu demonstrieren.

 

Herr Gauck legte 2006 in seinem Beitrag zu „Europa bauen“ unter der Frage „Welche Erinnerung braucht Europa?“ den anderen Europäern ungefragt die Zumutung nahe:

 

Es klingt nicht besonders positiv, aber ich bin sicher, dass ein Erinnern, das Europa nützt, nicht ohne eine umfassende Erinnerung von Verlust, Trauma, Leid und Versagen auskommen wird.“10

 

Gaucks kathartisch daherkommende Versicherung klingt in den Ohren von Westeuropäern, die sich in ihren jeweiligen nationalen bürgerlichen Revolutionen mit jeweils eigenen Schöpfungsmythen selbst feiern und sich ihrer nationalen Erfolge im Weltmachtgetriebe in steinernen und geschriebenen Zeugnissen, Paraden, Zeremonien erinnern, wie das unbequeme Echo ihrer dunklen eigenen Vergangenheit. Dieses Echo ist im Laufe von Jahrhunderten allerdings so schwach, dass die Erinnerung im kollektiven Gedächtnis verblasst und überdeckt ist von der Selbststilisierung der „glorreichen“ Nation, die mit rituellem Wiederholungszwang bürgerlicher Selbstversicherung wachgehalten und erneuert wird.

 

Deutschlands Geschichte dagegen bescherte seinen Bürgern unter ihrer regen eigenen Mitwirkung eben ausschließlich „erinnerungs-notwendige“ nationale Ereignisse jenes bitteren Charakters, die Herr Gauck anmahnte. Und das noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

 

Wenn Herr Gauck tatsächlich meinte, von deutscher Seite seien der 'Holocaust' und die „Vertreibung“ der Deutschen nach 1945 in einen „europäischen“ Erinnerungskanon einzubringen, dann merkte er nicht mal oder unterschlug bewusst, dass dies in den EU-„Partnerländern“ als Drohung verstanden werden muss: Erinnert Euch, Deutschland und die Deutschen können „traditionell“ ganz anders als „Europa“ friedlich zu einigen! Geht also bitteschön den deutschen Gang nach „Europa“ brav mit, wir sind gerne bereit, uns das was kosten zu lassen!

 

Nach Gaucks Vorschlag würden anstatt der Staatsschulden aller Euro-„Partner“ wenigstens die „Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit“ „EU-vergemeinschaftet“ um sie durch die Verbrechen der anderen zu relativieren – um sie zu vergessen. Adorno konstatierte für die frühe BRD:

 

Mit Aufarbeitung der Vergangenheit ist in jenem Sprachgebrauch nicht gemeint, daß man das Vergangene im Ernst verarbeite, seinen Bann breche durch helles Bewußtsein. Sondern man will einen Schlußstrich darunter ziehen und womöglich es selbst aus der Erinnerung wegwischen.“11

 

Erinnert sei daran, dass Gaucks Vortrag 2006 ein Jahr vor der Durchsetzung des Lissabon-Vertrages als der juristischen Vorgabe Deutschlands für die angestrebten Vereinigten Staaten von Europa gehalten wurde. Damals schien die deutsche Hoffnung auf die kommenden VSE noch berechtigt. Gaucks Vorstellung von einer Erinnerungskultur „Europas“ ergab damals im Gegensatz zu deren modifizierten Wiederauflage in seiner Europa-Rede als Bundespräsident 2013 noch einen deutschen Sinn. Gefragt hatte der Gottesmann die Europäer sicherlich nicht, ob sie denn überhaupt eine „europäische“ Erinnerungskultur deutschen Zuschnittes wollen oder ertragen. Innerhalb von nur vier Jahren hat Deutschland die europäische Integration so „verbaut“, dass Gaucks Ansinnen von 2006 als deutsche Anmaßungen faktisch in der geschichtlichen Mülltonne gelandet sind.

 

Macht aber Nichts. Immerhin haben wir seit 2005 ein unübersehbares Holocaust-Monomental-Mahnmal, dessen Stellenwert ein wichtiger Nationalhistoriker so akzentuiert:

 

In anderen Ländern beneiden manche die Deutschen um dieses Denkmal. Wir können wieder aufrecht gehen, weil wir aufrichtig bewahren.“12

 

Auf diese Projektion hatten die EU-„Partner“ wohl 50 Jahre lang sehnsüchtig gewartet. Die Deutschen bewahren in solcher ignoranten Weise ihren selbstgefälligen aufrechten Gang. Der Architekt sprach bezeichnenderweise von einem „Place of no meaning“.

 

Aufgegriffen aus einer Initiative der Bürgergesellschaft stampfte die gegründete Bundesstiftung einen Betonwall a lá Westwall zur Zerstreuung des deutschen Gemüts zwecks Renationalisierung kopfloser Erinnerung von Deutschen für Deutsche.

 

Das „Mahnmal“ ist überflüssig wie ein Kropf. Niemand, der Erinnerung, Gedenken oder gar die Möglichkeit der Trauer sucht angesichts des angerichteten Grauens der arischen „Herrenmensch“-Horden, sucht hierfür diesen dumpf- und stumpfsinnigen künstlichen praktisch-quadratischen Irrsinnsgarten auf. Das Monument konkurriert als verordneter Stillstellpunkt des lärmenden Hauptstadtrummels rund ums Brandenburger Tor die authentischen Erinnerungsstätten ans arische Grauen nieder, trocknet die Gedenkstätten im In- und Ausland finanziell aus. Es macht das Vergessen leicht und lenkt ab von der Erinnerungsstärke jener Orte, an denen die Deutschen obsessiv kaltschnäuzig ihr sadistisches Unwesen trieben.

 

Und weil sich die nachgekommenen Deutschen so inbrünstig monumental an die Shoah erinnern, sind sie, wie nicht oft genug gesagt werden kann, am geeignetsten, überall auf der Welt potentielle „Auschwitze“ zu erkennen und Genozide zu verhindern! Denn Deutschland ist durch seine Taten und deren inzwischen unumwundenes staatliches Eingeständnisses zur moralischen Instanz prädestiniert, den Daumen über andere Staaten bezüglich Menschenrechten und so .. zu senken oder zu heben! Und dann besteht geradezu die Pflicht der militärischen Krisenintervention zur Herstellung der Menschenrechte! Das ist das aus der deutschen „Erinnerungskultur“ erwachsene „natürliche“ neudeutsche außenpolitische Selbstverständnis.

 

Preußens völkische Reichspolitik sehen die EU-„Partner“ neu aufgelegt in der Jugoslawien-Krise zwischen 1990 bis in die Gegenwart. Der dortige und der sich inzwischen in der gesamten EU dynamisierende völkische Nationalismus ist durch die völkische Destabilisierungspolitik Deutschlands als Schutzmacht aller Separatisten auf dem Balkan hoffähig gemacht worden. Die völkischen Separatisten aller Länder fühlen sich ermutigt. Deutschlands agieren auf Kataloniens Ansinnen auf Unabhängigkeit 2013 wird über die Zukunft der großen europäischen Territorialstaaten entscheiden. Darüber, ob Deutschland in alter Tradition des Teile und Herrschens auf ein völkisches europäisches Reich deutscher Vasallen setzt oder die Integrität der Nationalstaaten nach Völkerrecht verteidigt.

 

D.

Die nationale Identität ist kein dem jeweiligen Staatswesen innewohnendes Wesen, sondern das in Abgrenzung von den anderen Nationen notwendige ideologische Konstrukt des nationalen Aberglaubens – Staatsfetischismus pur. Die Stellungwechsel der Nationen am Weltmarkt modifizieren das nationale Selbstverständnis erheblich, da sich das Nationalbewusstsein nur im Außenverhältnis zu anderen Staaten bilden kann. Deutschlands völkisch-nationalistische Regression in den 1930er Jahren markierte die Niedergangsphase der Nationalstaaten in einer Welt, in der die gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit weit über den Nationalstaat hinauswiesen, jedoch in die Kapitalformen gebannt in der Fessel des Nationalstaates der jeweiligen Bourgeoisie verharren. Die konsequente Bildung wirtschaftlicher Großräume unter Führung eines ökonomischen und politischen Hegemons und schwerwiegenden Souveränitätsverlusten der anderen Teilnehmer führen zu Chimären wie der EU – weder Bundesstaat noch Staatenbund.

 

Adorno schrieb angesichts der Blockbildung nach 1945 bezüglich des Zusammenhangs des Verlustes nationaler Souveränität aller nicht-hegemonialer Staaten mit der Dynamisierung des völkischen Nationalismus:

 

Nationalismus heute ist überholt und aktuell zugleich. Überholt, weil angesichts der zwangsläufigen Verbindung von Nationen zu Großblöcken unter der Suprematie der mächtigsten, wie sie allein schon die Entwicklung der Waffentechnik diktiert, die souveräne Einzelnation, zumindest im fortgeschrittenen kontinentalen Europa, ihre geschichtliche Substantialität eingebüßt hat. Die Idee der Nation, in der einmal sich die wirtschaftliche Einheit der Interessen freier und selbständiger Bürger gegenüber den territorialen Schranken des Feudalismus zusammenfaßte, ist selbst, gegenüber dem offensichtlichen Potential der Gesamtgesellschaft, zur Schranke geworden. Aktuell aber ist der Nationalismus insofern, als allein die überlieferte und psychologisch eminent besetzte Idee der Nation, stets noch Ausdruck der Interessengemeinschaft in der internationalen Wirtschaft, Kraft genug hat, Hunderte von Millionen für Zwecke einzuspannen, die sie nicht unmittelbar als die ihren betrachten können. Der Nationalismus glaubt sich selbst nicht ganz mehr und wird doch politisch benötigt als wirksamstes Mittel, die Menschen zur Insistenz auf objektiv veralteten Verhältnissen zu bringen. Daher, als ein sich selbst nicht ganz Gutes, absichtsvoll Verblendetes, hat er heute die fratzenhaften Züge angenommen. Sie haben ihm, der Erbschaft barbarisch primitiver Stammesverfassungen, freilich nie ganz gefehlt, waren aber doch so lange gebändigt, wie der Liberalismus das Recht der Einzelnen auch real als Bedingung kollektiver Wohlfahrt bestätigte. Erst in einem Zeitalter, in dem er überschlug, ist der Nationalismus ganz sadistisch und destruktiv geworden.“13

 

Soviel zum vergeblichen Versuch, eine tragfähige deutsche nationale Identität zu zimmern. Und zu dem gefährlichen Sprengsatz, den der vom völkischen Deutschland protegierte völkische Nationalismus in den EU-Ländern auflädt.

 

1 Den scheinbar latenten Antisemitismus der Nachkriegszeit in den Ländern Europas, insbesondere der Bonner Republik, fasste Adorno und Horkheimer im Begriff der „antisemitischen Gesellschaft“. Deren Subjekte auf Grund ihrer Gefangenheit in der unverstandenen kapitalistischen Fremdbestimmung und den aus der Zirkulationssphäre des Kapitals entspringenden Projektionsgestalten ihre eigene Ohnmacht in obsessiven Hass auf den Juden umwandeln – nach dem Sechstagekrieg 1967 und Yom-Kippur-Krieg 1973 - verschob sich dies auf Israel als den Repräsentanten des Judentums.

 

1 Wie beispielsweise linke völkische Ideen daherkommen: „Linke UnternehmerInnen: Aus wirtschaftlicher Vernunft, sozialer und ökologischer Verantwortung – Wir stehen in der Tradition großer Unternehmer. Die wie Friedrich Engels und August Bebel deutsche Tugenden des Handwerks, wie Schöpferkraft, Fleiß, Innovation, Pünktlichkeit, Ordnungsliebe und Heimatbezogenheit praktizieren. Mit sozialer und ökologischer Verantwortung wollen wir für eine Welt ohne Krieg und kapitalistische Ausbeutung unternehmerisch wirken.“ Na ja, der arme Engels würde sich sicherlich bei solchen teutschen Traditionalisten auf seine Art bedanken!

 

2 „Der 1958 gegründete Tönissteiner Kreis ist ein Gesprächskreis von Führungskräften aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik mit Auslandserfahrung. Als überparteiliches und interdisziplinäres Netzwerk will der Kreis Impulse für eine verstärkte internationale Öffnung und Kooperation Deutschlands geben. Seine Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich für die Ziele des Kreises – aktive Teilhabe an der Bürgergesellschaft ist Grundlage der Gesellschaft.“

 

3 Siehe: Eberhard Sandschneider, Raus aus der Moralecke! Die deutsche Außenpolitik sollte der Welt nicht ihre Werte diktieren. Die ZEIT vom 28.02.2013

 

4 Im Report des Magazins „The Economist“ vom 14. Juni 2013 fordert die Autorin vom Hegemon, Führung und Verantwortung in der EU zu übernehmen: „Die deutsche Sicht ist verzerrt und selbstgefällig“ Handelsblatt vom 14.06.2013

 

5 Zur Entwicklung der deutschen Gemütslage und dem Hervorstechen der völkischen gesellschaftlichen Regression in jenem Zeitraum: Klaus Bittermann, Geisterfahrer der Einheit. Kommentare zur Wiedervereinigungskrise, Edition ID-Archiv 1995

 

6 Als Wehrmachtsausstellung werden zwei Wanderausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung bezeichnet, die von 1995 bis 1999 und von 2001 bis 2004 zu sehen waren. Die erste Ausstellung trug den Titel „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941-1944“. Sie wurde am 5.März 1995 – dem fünfzigsten Jahr nach dem Kriegsende - in Hamburg eröffnet und bis November 1999 in 34 Städten der Bundesrepublik und Österreich gezeigt. Sie rief heftige politische und mediale Kontroversen hervor, landete vor dem Bundestag und wurde in neuer Auflage salonfähig gemacht.

 

7 Aus: Klaus Bittermann, Die Banalität der Guten. Nachruf auf den Publizisten Eike Geisel

 

8 Heinrich Heine, Ludwig Börne – Eine Denkschrift, Adamant Media Corporation 2006, Seite 76

 

9 Dank nationaler Inkorporationskunst ist der arme H. Heine, der über Ludwigs „Walhalla-Wisch“ gehörig spottete, seit 2010 dort selbst marmorn eingereiht. Dabei hatte er noch im 'Wintermärchen' in seinem Exkurs über den gipssteinernen Barbarossa geätzt, der seit 1000 Jahren in seiner Tropfsteinhöhle auf seinen Auftritt zur Einigung Deutschlands wartet.

 

10 Siehe S. 15: Joachim Gauck, Welche Erinnerung braucht Europa?

 

12 Eberhard Jäckel in seiner Rede auf dem Bürger-Fest 2010 des Beton-Monuments

 

13 Th. W. Adorno, Was bedeutet Aufarbeitung der Vergangenheit (1971)

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