Steinbrücks „Achtstundenwoche“

-DD-  O-Ton aus der Rede des neuen Zählkandidaten der SPD für die deutsche Kanzlerschaft, die sich am 9. Dezember anno 2012 in Hannover gut anderthalb Stunden lang über die etwa 600 Delegierten des SPD-Sonderparteitags ergoss:

„Wir haben 1919 die erste Republik, die erste Demokratie in Deutschland auf den Weg gebracht. Wir haben dabei das Frauenwahlrecht durchgesetzt und die Achtstundenwoche mit der Gewerkschaftsbewegung. Es war die Sozialdemokratie, die dies durchgesetzt hat.“ (Den ersten Teil der Rede gibt's hier auf YouTube; die zitierte Stelle passiert darin bei Min 5:03).

 

Von dem, was Steinbrück da behauptet, ist natürlich schon deshalb kein einziges Wort wahr, weil seinerzeit die Republik vom rebellisch gewordenen Proletariat einer SPD aufgezwungen werden musste, deren Chef, Friedrich Ebert, noch am 6. November 1918 den Kaiser bekniet hatte, durch Thronverzicht zugunsten eines anderen Hohenzollerns die Monarchie zu retten.

 

Was allerdings die „Achtstundenwoche“ angeht, so mag dieser hübsche Versprecher immerhin zu einem Denkanstoß verhelfen. Gilt doch in der zweiten deutschen Republik ein Arbeitszeitgesetz, das eine maximale wöchentliche Arbeitszeit von acht Stunden an sechs Werktagen, mithin eine 48-Stundenwoche festlegt (einschließlich allerhand Möglichkeiten ihrer Aufweichung). Das ist nicht nur weitweg von Steinbrücks „Achtstundenwoche“, sondern auch deutlich von dem entfernt, was gewerkschaftliche Tarifverträge in aller Regel als wöchentliche Maximalarbeitszeit vorsehen.

 

Nachdem aber mittlerweile immer größere Bereiche lohnabhängiger Beschäftigung ohne Tarifverträge auskommen, sollte da nicht baldmöglichst die gesetzliche Maximalarbeitszeit zumindest ein kleines bisschen näher herangerückt werden an Steinbrücks „Achtstundenwoche“? Sollte DIE LINKE der SPD nicht umgehend ein Angebot machen, das die nicht ablehnen kann, und das geeignet ist, den folgenden Passus aus dem Programm der Pasrtei DIE LINKE in die Tat umzusetzen: „Durch die Reform des Arbeitszeitgesetzes soll die höchstzulässige durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden begrenzt werden“?

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