11.4. Einwurf über die neueren inneren Feinde Nummer zwei sozialdarwinistischer Tönung

E ine weitere Ebene des potentiellen inneren Feindes war in der NS-Zeit die Stigmatisierung all jener als „undeutsches Gesindel“, die als Antithese der deutschen Arbeitsideologie galten: die „Überbevölkerung=Arbeitslose“ „Untüchtigen“, „Arbeitsscheuen“, „Debilen“, „Lebensunwerten“, „Vagabunden“.

Die dahinterstehende völkische Ideologie war ein Amalgam aus deutscher Arbeitsideologie, Rassismus, Sozialdarwinismus und Eugenik mit dem Antisemitismus als klassenübergreifendem Kern.

Die allgemeine Naturalisierung des Gesellschaftlichen unter dem verallgemeinerten Kapitalverhältnis, wie sie Th. Hobbes mit den Wolfsgesetzen formulierte, ging mit den aufkommenden Naturwissenschaften über zur biologistischen Determination des Menschen und der Gesellschaft. Es herrschte die Vorstellung des Kampfs der Rassen ums Dasein, in dem sich die stärkere Rasse „naturnotwendig“ durchsetzt. Dieser Kampf duldet keine unnützen Esser, um den eigenen Volkskörper „rein“ und durchsetzungsfähig zu halten.

Der Sozialdarwinismus nach der Wende zum 20. Jh. sah das einzelne Individuum ebenso im Kampf ums Dasein naturnotwendig zu Recht bestrebt, sich als Stärkerer durchzusetzen. Mit dieser Biologiesierung des Sozialen
die in Wirklichkeit nur die Rückspiegelung der anthropomorphisierenden Projektion der ökonomischen Konkurrenzoberfläche auf die äußere Natur war – geht die Vorstellung von der Ungleichheit der Individuen und der Selektion der Schwachen einher, um die Höherentwicklung des „Volkskörpers“ zu gewährleisten. Hier griff die Eugenik mit dem Phantasma der positiven Auswahl durch die Begünstigung der Vermehrung der Besten und Stärksten und dem Zurückdrängen (durch z.B. Zwangssterilisation) der Vermehrung der Schwachen. Bevölkerungspolitik wurde zur staatlichen Waffe.

Dieser grobschlächtige Angriff auf die staatlich und gesellschaftlich ungeschützten „Schwachen“ endete in Deutschland in Massenmorden. Sozialdarwinismus und Eugenik waren damals allerdings in allen entwickelten Ländern zu wichtigen Kampfbegriffen der bourgeoisen Propaganda gegen den aufmüpfigen Pöbel geworden. Insbesondere die neu aufgekommene Genetik gab sich sogleich für stärkste Ideologiepropaganda her. So kündigte der US-Genetiker H. J. Muller als Stalin-Bewunderer an, mit Hilfe der positiven Eugenik – als „Zuchtwahl“ – hätte jede Sowjetmutter die Aussicht, einen Sohn wie Lenin zu gebären. In plattester biologistischer Manier wurde der Mensch als vom Erbgut determiniert gefasst. Georg Lukács kennzeichnete diese Entwicklung des Pseudowissenschaftlichen am Ende der 1920er Jahre als Fetischisierung der Ratio. Allgemein gesprochen wurden mittels pseudowissenschaftlicher „Beweisführung“ sämtliche gesellschaftlichen Phänomene der Zweckrationalität des Kapitals unterworfen.

Nach Kriegsende nahm die UNO daher nicht von ungefähr in ihrer Gründungscharta auf, dass das Leben des Menschen keineswegs vom Erbgut, sondern übergreifend von seinen Sozialisationsbedingungen bestimmt wird. Der ideologische Kampf dieser zwei Linien wird bis heute mit harten Bandagen geführt.
 
Die Biologiesierung des Sozialen schreitet seit den 1970er Jahren unter der Hand in Riesenschritten voran. Die Verwissenschaftlichung der Produktion ging einher mit der reellen Subsumtion der wissenschaftlichen Arbeit unter das Kapital. Das bedeutet, dass der „Wissenschaftler“ keiner eingebildeten, hehren freien Geistesarbeit nachgeht, sondern als spezieller Teilarbeiter Anhängsel des Kapitals ist und die Kombination des arbeitsteiligen Teilwissens zu Herrschaftswissen außerhalb seines Einflusses liegt. Die Industriestaaten betreiben auf der Grundlage dieses Herrschaftswissens eine Bevölkerungspolitik nach innen, die die schon in den 1920er Jahren begonnene Erfassung, Kontrolle, Prävention ihrer Wirtschaftsinsassen weiter zur Optimierung der Verwertungsbedingungen des Kapitals perfektionieren. Staatliche Androhung von Strafe und Selektion bei Zuwiderhandlung wie in den 1930er Jahren wird durch kapitalinhärente Formen von „Freiheit“ ersetzt.

Die Gesetzgebung öffnete den Raum für ein Versicherungswesen, das die Risiken der Individuen für Krankheit, Unfall, Fortpflanzung, Alter, Tod und ihr Konsumverhalten immer stärker nach sogenannten Risikofaktoren gewichtet, welche heutige Verfahren von Biotechnologie und „Genanalysen“[1] behaupten, „wissenschaftlich“ vorhersagen zu können. Dementsprechend wirken die gestaffelten Prämien der Sozialversicherungen als Kontroll- und Züchtigungsmittel der „Versicherten“.

Hier ist nicht die Stelle, dies auszuführen. Erwähnt seien einige Beispiele. Trägt eine Frau ein Kind mit Behinderung aus, ohne vorher einen einsprechenden Gentest gemacht und sich gegebenenfalls über die Konsequenzen beraten lassen zu haben, dann ist das Neugeborene nicht versichert. Dies ist auch der Fall, wenn sie trotz des Wissens das behinderte Kind austrägt.

Der stumme Zwang der Verhältnisse internalisiert diese zweite gesellschaftliche Natur in den Zeitgenossen. Der vorstehende Fall sozialdarwinistischer Selektion scheint noch verständlich angesichts der gesellschaftlichen Zumutungen, unter denen schon „gesunde“ Kinder aufgezogen werden müssen. Zugleich liegt hierin schon der Grenzübergang zum eiskalten Utilitarismus[2] der Gegenwart.

Denn nach den Behauptungen der sogenannten Genetiker ist das Durchschnittsindividuum Träger von ca. 10 „Risikofaktoren“, die sich im Laufe seines Lebens zu schweren Krankheiten ausbilden können. Eine Konsequenz dieses Veitstanzes um behauptete „erbliche Krankheitsveranlagung“ ist die rasend schnelle Zunahme  pränataler Diagnostik und eines Genscreenings Neugeborener, die darüber bestimmen, wie hoch die Versicherungsprämien für die „Risikofaktoren“ des Neugeborenen ausfallen.
Eine andere Tendenz zeigte der aktuelle schauspielerische Hype um ein vermeintliches „Brustkrebs-Gen“ – wer weiß, wann das „Hirn-Krebs-Gen“ zuschlägt und dann zu Tage fördert, dass wir alle schon längst hirnamputiert rumlaufen!

Und das ist erst der Anfang des Herrschaftsphantasmas der pseudowissenschaftlichen Zunft der Genetiker. Sie behaupten regelmäßig, neue Genomabschnitte für „Eigenschaften“ also auch „Krankheiten“ lokalisieren zu können. Entsprechend der Zunahme psychischer Krankheiten geben sie vor, zu „wissen“, dass Depression, Schizophrenie, ADHS und, und… erblich bedingt seien. Dass Verhaltensstörungen allgemein und ebenso Arbeitslosigkeit erblich bedingt sind, gehört zum Repertoire nicht weniger dieser neuen Hochstapler – die im Grunde nichts von den Zusammenhängen sich selbst reproduzierender lebendiger Aggregate wissen, sondern im trial-and-error Modus herum pfuschen. Sie finden nur deshalb Exemplare für ihre Versuche, weil sie am konventionellen Medizinsystem Verzweifelnden das Blaue vom Himmel versprechen.

Die alte grobschlächtige sozialdarwinistische Folie ist zur modernen stummen Selektion nicht verwertbaren Lebens zwecks Optimierung der Ware Arbeitskraft umgeschrieben worden. Noch ist der gesetzliche Damm nicht gebrochen, die Genanalyse flächendeckend als Einstellungsbedingung für Malocher vorlegen zu müssen. Mit jeder neuen genanalytischen „Entdeckung“ und jedem verfeinerten Verfahren rückt der Dammbruch näher. Aber wir haben ja einen so tollen Datenschutz, der uns vor ungerechter Selektion schützt! Da rütteln auch NSA und Echolon nicht dran! Das Pech ist, dass tatsächlich jeder etwas zu verbergen hat, was seine genanalytische Karriere betrifft.

Doch auch ohne solche Verfahren sind die Kontroll- und Selektionsmechanismen in der „Arbeitswelt“ längst weit gediehen. Die Selektion der über 50 jährigen aus dem Arbeitsprozess der Großindustrie, schönfärberisch „Frühverrentung“ genannt, ist weit fortgeschritten. Im Zuge der Einführung der Gruppenarbeit in den 1990er Jahren wurde als Ziel der Reorganisation der personellen Zusammensetzung des Kapitals die Aufstellung von Olympia-Mannschaften ausgegeben.

 

Die Autoindustrie eröffnete im Zeichen von Lean Production eine regelrechte Jagd auf Kranke: der krankgemeldete Mitarbeiter bekommt Hausbesuch aus der Personalabteilung. Der freundliche „Kollege“ bringt einen Blumenstrauß mit und erkundet sich „fürsorglich“ nach dem Gesundungsprozess. Zurück bei der Maloche geht es zum „Rückkehrgespräch“, wo ihm verklickert wird, dass er bei weiteren Krankheitsmeldungen im selben Jahr Abmahnungen erwarten muss und eventuell dann gar nicht mehr in den Betrieb zurückkehren wird.[3] Einer der Autobosse sagte ganz offen, dass es ja wohl nicht die Pflicht der Firma sei, Mitarbeiter, die älter als 40 Jahre sind, zu beschäftigen.

Vorstehendes kennzeichnete die negative Eugenik der Selektion nichtfunktionaler Gesellschaftsmitglieder. Die positive Eugenik der Nachzucht der Tüchtigen ist die Domäne der Gen- und Reproduktionsmedizin geworden. Die Fortpflanzungsmedizin wird beliefert von Samenbanken der besten Männer der Welt bis hin zu Samenbanken von Nobelpreisträgern. Jeder Mama einen Einstein, jedenfalls eine Wunschkind-Koryphäe von Format, die die heutigen „Helikopter“-Eltern im Blindpflug als ihr Lebensprojekt managen können.

Die bei der Fortpflanzungsmedizin durch Hormonstimulation überflüssigen,  tiefgefrorenen Embryonen sind ein dunkles Feld von Genforschung bis Genpfuschereien und bringen immer mal wieder mediale Hypes mit der Behauptung, gerade mal wieder aus irgendeiner Körperzelle ein menschliches Embryo „erzeugt“ zu haben. Gleichzeitig zielt die Embryonalforschung auf die Anlage von Stammzellen als Ersatzteillager für fast alle Körperteile.

Es wunderte bei diesen Projektionen einer Allmacht der Gen- und Reproduktionstechnologie als Herrschaftsinstrument nicht, dass die USA, Europa und Japan im Hype-Zeitalter der Gentechnologie in den 1980er Jahren teure, langfristige Projekte zur Entschlüsselung und Sequenzierung des menschlichen Genoms (HGP) starteten. Nach 1990 wurde es auf Initiative der USA arbeitsteilig international durchgeführt und 2004 „erfolgreich“ abgeschlossen.

Chef der im nationalen Laborat Los Alamos ansässigen US-Behörde war anfangs übrigens J. Watson, dem mit F. Crick die „Entdeckung“ der DNS-Helixstruktur zugeschrieben wird. Dieser Nobelträger ist das Musterexemplar des ideologieproduzierenden „Genetikers“: konsequenterweise ist der Herr bis sein heutiges Greisenalter einer der gröbsten öffentlichen Propagandisten von Sozialdarwinismus und Rassismus.

 

Richtig ehrlich kehrte die EG-Kommission in den 1980er bei ihrer Begründung für die Auflage und Finanzierung des europäischen HGPs die bevölkerungspolitischen Gründe hervor: da Immissionen und Strahlen aller Art den „gesunden“ Bestand des menschlichen Genoms bedrohten, die Umweltbelastungen jedoch nicht abgestellt werden könnten, müsse die wissenschaftliche Grundlage für die „Verbesserung“ der Genomqualität geschaffen werden und dessen schleichender Degeneration durch die Entwicklung gentechnischer Behandlungs- und Verhinderungsmethoden für Krankheiten pipapo gegengesteuert werden.

Diese Phantasmen, die stets durch das Spiel mit der Angst der Beherrschten vor Krankheiten neue Geldquellen erschließen sollen, werden von den Transhumanisten konsequent zu Ende gedacht. Das Selbstverständnis des Transhumanismus[4] sieht es in Fortsetzung des Humanismus und der Aufklärung ethisch geboten, den Menschen zur optimierten Mensch-Maschine umzubauen. Die technisch versierten Termiten kämen dann zu sich selbst als Chimären des Kapitals. Es wäre die vom Kapital nach seinem Ebenbild geschaffene dritte Natur des Menschen

Die Biopolitik, begrifflich von M. Foucault in den 1970er Jahren entwickelt, von „Marxisten“ als „strukturalistischer Ansatz“ geschmäht, hat sich zu einem der wirkmächtigsten Herrschaftsinstrumente des Staatsapparats gemausert, weil sie ohne jede sozialdawinistische Propaganda strukturell vollzogen werden kann5] . Die Individuen haben als Wirtschafts- und Staatsbürger keine Chance, sich diesem stillen Zwang zu entziehen. Sie internalisieren die positiven und negativen Selektionselemente in den Kanon der kapitalistischen zweiten gesellschaftlichen Natur.

 

Immer wieder erschrecken Zeitgenossen, wenn der Staat mal wieder seine Kosten-Nutzen-Analyse für jeden Furz des sozialpolitischen Feldes ungeschminkt auf den Tisch legt. Die „Güterabwägung“ bei der Verteilung der knappen staatlichen Mittel stachelt den Konkurrenzkampf innerhalb der lohnabhängigen Klasse an und vertieft durch das Privilegiengeschacher ihre Spaltung. Die da oben sagen, wann der Gürtel unten enger geschnallt werden muss. Die da unten akzeptieren inzwischen die Zweckrationalität des kapitalistischen Kalküls als naturgegeben.

Soviel zum Sozialdarwinismus im postmodernen Gewande des Irrationalismus der kapitalistischen Ratio. Diese Herrschaftsfolie ist in allen modernen Ländern die Unterlage für einen sozialdarwinistisch gefärbten Rassismus. Die neue Rechte in Europa überschrieb die Folie der "biologischen Vererbung" des überkommenen Rassismus ideologiewirksam mit der "Unaufhebbarkeit der kulturellen Differenzen", um der „Vermischung der Kulturen“ durch Arbeitsimmigration entgegenzuwirken. Die Diskurstheorie bezeichnet dies als differentialistischen Rassismus[6] .

In der BRD entwickelte sich seit den 1960er Jahren entsprechend die überkommene völkische, rassistisch geprägte Fremdenfeindlichkeit in modifizierter Form zur wirksamen Herrschaftsideologie. Sie nimmt jene zweite Stelle der Ausrufung eines potentiell inneren Feindes ein, welche während des NS unangefochten und ungleich wirkmächtiger der Antisemitismus inne hatte.

Zunächst wurde das Ressentiment und die Abwehr des undeutschen „Fremden“ nach 1955 auf die einwandernden „Gastarbeiter“[7] übertragen. Es sind bis heute sozialdarwinistische Verschiebungen der eigenen Opferrolle der Beherrschten auf die Fremden als Verursacher-Täter des eigenen „Unglücks“ in Gestalt der Arbeitsemigranten.

Nach den „Fremdarbeitern“ und „Ausländern“ waren es dann die „Asylanten“, danach die „Wirtschaftsflüchtlinge“, die uns unsere Arbeitsplätze wegnehmen und die deutsche „Kultur“ unterwandern. Und die mit ihrem Bandenwesen die Mafia, den Sexsklavenhandel, Mord, Totschlag und Raub in unser ordnungsliebendes „Vaterland“ einschleppten!

Mit den Terrorakten gegen US-Ziele vom 11. September 2001 geriet die gesamte islamische Bevölkerung[8] unter den Generalverdacht des politisch fundamentalistischen Islamismus. Die rassistisch unterlegte Gemengelage läuft entlang so mancher Linie der zu Anfang angesprochenen Vielfalt von Nationalitäten und deren aufgekochten althergebrachten Vorurteilen vom „Untermenschen“ und keineswegs nur hier deutsch-arisch, da nicht-deutsch. Dies dynamisiert die sozial-chauvinistische Gereiztheit in der Weltwirtschaftskrise zusätzlich. Übrigens beflügel(t)en die gutgemeinten linksradikalen antirassistischen Parolen „Kein Mensch ist illegal“ und „Offene Grenzen“ den Rechtspopulismus, statt irgend eine vorwärtsweisende politische Praxis.

 

Es passt in die Landschaft, dass ein Herr Sarrazin als überzeugter deutscher Sozialdemokrat sich zum sozialdarwinistischen Büttel zwecks Vertiefung der Spaltung der lohnabhängigen Klasse in Deutschland aufschwang. Die Kontinuität des Sozialdarwinismus und Rassismus als sich modifizierende Herrschaftsideologie, die die geballten Ressentiments der Deutschen gegen alles „Undeutsche“ für die Staatsraison einzusetzen weiß, lässt sich in Deutschland von 1900 bis in die Gegenwart – wie zuvor schon sporadisch geschehen – lückenlos empirisch belegen.



[1]    Vgl.: Klees, Bernd (1988): Der gläserne Mensch im Betrieb, Genetische Analyse bei Arbeitnehmern und ihre Folgen, Frankfurt/Main

[2]    Die praktische Ethik des Präferenzutilitarismus von Peter Singer, der die Definition des Menschseins ans Selbstbewusstsein koppelt, ist in Zeiten des massenhaften Auftretens von Alzheimer und Demenz letztendlich die ethische Begründung von kommender Euthanasie der Alten im Massenmaßstab. Vgl.: Peter Singer, Helga Kuhse, Muß dieses Kind am Leben bleiben? Das Problem schwerstgeschädigter Neugeborener. Harald Fischer, Erlangen 1993. Vgl. Kritik daran: Didi Danquart, Udo Sierck (Hrsg.): Der Pannwitzblick. Wie Gewalt gegen Behinderte entsteht. Libertäre Assoziation, Hamburg 1993.

[3]    Wompel, Mag, (2012): Druck auf Kranke im Zeitalter der Lean Production. Jagd auf Kranke - Rückkehrgespräche auf dem Vormarsch. http://labournet.de/diskussion/arbeitsalltag/JagdaufKranke.html Die zweite, aktualisierte, ergänzte und überarbeitete Auflage der Broschüre Krankenverfolgung Aktuelle betriebliche und gesellschaftliche Strategien im Umgang mit Kranken vom Dezember 2012

[4]    Süddeutsche Zeitung - 8. Juni 2013 Verbesserte Menschen. Die vielleicht gefaehrlichste Idee der Welt


[5]    Pieper, Marianne, Atzert, Thomas, Karakayah, Serhat, Tsianos, Vassilis,  Biopolitik in der Debatte – Konturen einer Analytik der Gegenwart mit und nach der biopolitischen Wende, Springer 2011.


[6]   Zu Neo-Rassismus siehe: Fabian Kettner, Diskurstheorie http://www.rote-ruhr-uni.com/cms/Diskurstheorie.html


[7]    Am 31.10.11 jährte sich das deutsch-türkische Anwerbeabkommen zum 50. Mal. Ein Land, welches ansonsten jeden Anlass zu effektheischenden Großzeremonien aufbauscht, schweigt sich aus. Die feudale mentale Spur lässt in den Köpfen immer noch keine Bürgergesellschaft zu, sondern Deutschsein wird trotz aller Akzentverschiebungen immer noch primitiv identisch gesetzt mit weißer Haut versus fremdländischem Aussehen. Der Tagesspiegel schrieb:
„ Aber dieses Schweigen ist ohrenbetäubend. Es steht in heftigstem Kontrast zu den schrillen und anhaltenden Debatten um Islam und Integration, Kopftücher und Bildungsverlierer, Unterschichten und Jugendkriminalität, ´Parallelgesellschaften´ und Ehrenmorde. Noch immer verteilt die öffentliche Debatte in Fernsehen, Zeitungen, Radio und Wahlkämpfen das Etikett ´Vorsicht, feuergefährlich´ lieber als eine Unbedenklichkeitsbescheinigung.
Der Satz, Deutschland sei kein Einwanderungsland, ist, zum Glück, inzwischen so was von vorgestern. Aber für ´Deutschland ist ein Einwanderungsland´ muss man nach wie vor erst einmal tief Luft holen. Und lässt es dann lieber. Die Party ist abgesagt, weil die potenziellen Teilnehmer Schnappatmung befürchten.“ Aus: Tagesspiegel Ein ohrenbetäubendes Schweigen


[8]    Die Despektierlichkeit, mit der der Deutsche seit Jahren den eher seltenen „Ehrenmord“ durch deren Angehörige in Deutschland, kommentiert, geht einher mit der Blindheit dafür, dass der sozialdarwinistisch modernistisch modifizierte „Ehrenmord“ der Deutschen so aussieht: Mchel Mustermann verliert „seinen guten Arbeitsplatz“ oder macht als Firmeninhaber pleite. Michel geht nach Hause, liquidiert Kinder, Eheweib und Schoßhund und zum Schluss sich selbst. Mustermichel versagte als kapitalistischer Wirtschaftsbürger und versuchte durch seine Tat, die soziale Schande von sich selbst sowie seinem lebenden Inventar durch sein arbeitsideologisch aufgeladenes Sühneopfer abzuwenden. Der Mord an Töchtern, angeordnet von Familienoberhäuptern, welche vor ihrer Arbeitsemigration selbst noch in ländlichen islamischen Gebieten der Türkei sozialisiert wurden, verhält sich nach dem Ehrenkodex vorkapitalistischer Kleinproduzenten und Kleinhändlern. Das potentielle oder schon vereinbarte Geschäft bezüglich der Tochter kann durch deren Verhalten nicht eingehalten werden. Folgerichtig stellt er seine Ehre d.h. Glaubwürdigkeit als kleiner Warenhöker durch sein scheinbar natürliches Sühneopfer wieder her.

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